Eine kontemplative Klavierdoku in Starbesetzung. Mit Pierre-Laurent Aimard und Stefan Knüpfer.
Kamera und Ton: Matthias Wagner & Wolf-Maximilian Liebich.
Schnitt & Sounddesign: Matthias Wagner.
Kino-Tonmischung: Manuel Grandpierre / Menura Film
Farbkorrektur: Dimitri Aschwanden
Der vollständige Film dauert 91 Minuten und soll 2026 Premiere feiern.
Unser Film zeigt vier Menschen im Zustand der bedingungslosen Hingabe. Sie gruppieren sich im malerischen Toblach/Dobbiaco (Südtirol) um eines der erstaunlichsten Musikinstrumente der Welt, den uralten Steinway-Flügel D 353018, um ein Album mit Tänzen von Franz Schubert aufzunehmen. Es sind wenig bekannte, tief beseelte Miniaturen im Walzertakt, die der französische Starpianist Pierre-Laurent Aimard ausgewählt hat. Wir wissen zwar, dass er eine biografische, geradezu schicksalhafte Beziehung zu diesen Stücken hat. Im Film, das war eine Bedingung für die Dreherlaubnis, wird darüber jedoch nichts verraten. Umso mehr spüren wir die Tragweite, die dieses künstlerische Projekt für den visionären Grand Seigneur der Klavierwelt hat, in jeder Einstellung. Ein fast heiliger Ernst liegt in seinem expressiven, selbstvergessenen Mienenspiel, das wir mit ruhigen Nahaufnahmen verfolgen. Seine begnadeten, von einem überreichen Pianistenleben veredelten Hände streicheln die alten Elfenbeintasten, tanzen mit ihnen in engster Vertrautheit. Wir haben keine Mühen gescheut, um die sagenhafte Poesie und Zartheit der resultierenden Klänge auch tontechnisch einzufangen.
Um diese unerhörten Klänge erzeugen zu können, vertraut Pierre-Laurent Aimard auf das Können und die Kunst des Klaviertechnikers Stefan Knüpfer, der seinerseits ein Weltstar seines Fachs ist. Stefan fungiert als der eigentliche Erzähler unseres Dokumentarfilms. Er verehrt den Pianisten, mit dem er seit 20 Jahren zusammenarbeitet. Er ist, wie dieser, geradezu besessen von der Suche nach dem idealen Klang. „Schönheit“, wird er im Film einmal sagen, „braucht den Makel. Es gibt keine fehlerlosen Menschen, es gibt keine fehlerlosen Klaviere.“ Stefan plädiert dafür, die Qualität des Alten zu schätzen. Das Klavier, das er für die Schubert-Aufnahme nach Toblach transportiert hat, wurde 1954 gebaut und residierte lange Zeit im Prager Rudolfinum. Fast alle großen Pianist*innen der Zeit haben darauf gespielt. Normalerweise landen Klaviere nach einigen Jahrzehnten im Korrepetitions-Hinterzimmer oder in privaten Salons. Der Steinway D 353018 wurde vor einigen Jahren von Stefan entdeckt und liebevoll restauriert. Mittlerweile ist er eines der begehrtesten Klaviere überhaupt und Teil des „piano duo“ Projekts. Darin reist der „353018er“ quer durch Europa, um unter den begnadetsten Händen seinen besonders edlen, runden, warmen Klang zu entfalten.
Darum ist der Flügel selbst ein Hauptprotagonist unseres Films. Kameras und Mikrofone begleiten ihn schon auf der Anfahrt, wir befinden uns zunächst in seinem Inneren, in fast totaler Dunkelheit, wir hören den Motorenlärm des Transporters, wir hören das alte Holz ächzen und die ungedämpften Saiten atmen, vernehmen das Keuchen der schwer arbeitenden Transporteure von draußen. Stille. Nacht. Dann öffnet Stefan den Deckel. Als wir beim Dreh den ersten Ton vernahmen, im heimeligen Halbdunkel des Gustav Mahler Saals zu Toblach, bekamen wir Gänsehaut. Dieser Klang lässt sich natürlich nicht mit Worten beschreiben; im Film wird dieser Gänsehautmoment den Eintritt in die eigentliche Handlung markieren, den Übergang von der Sphäre des Klaviers in die Sphäre der Menschen und ihrer Kunst.
Dort findet die Kamera neben Pierre-Laurent Aimard und Stefan Knüpfer zwei weitere Akteure: Aufnahmeleiter Christoph Claßen und Tonmeister Sebastian Nattkemper. Sie bereichern die Geschichte des Films enorm, nicht zuletzt dank ihres vergleichsweise nüchternen, ergebnisorientierten Blicks auf die musikalische und klangliche Arbeit am Album. Wir erleben sie beim ergriffenen Lauschen im Regiezimmer, beim musikästhetischen Deep Talk mit dem Pianisten, aber auch als Stegreif-Kritiker und ironische Kommentatoren des Geschehens. Sie bringen mitunter ein profanes Element ein, das einen spannenden Kontrast zum heiligen Dienst an der Musik darstellt. Die subtile Spannung zwischen Regiezimmer und Konzertsaal entlädt sich nicht nur einmal in grandiosen Witzen.
Die Aufnahmewoche in Toblach haben alle Beteiligten als Ausnahmezeit erlebt. Es war eine Klausur mit langen Tagen der intimen Kontemplation, umgeben von einer erhabenen Berglandschaft. Unser Film wird ein Kammerspiel sein, aus der Zeit gefallen, von der Welt entrückt. Die Natur hat nur kurze Auftritte, als Vorhang zwischen den Akten.














