Ein leises Archivstück über den Tag des Amoklaufs an meiner ehemaligen Schule.
In Arbeit. Premiere voraussichtlich 2026. Regie: Matthias Wagner / Musik: Wolf-Maximilian Liebich.
Am Tag des Amoklaufs und in den Wochen danach war die Medienwelt voller Sensationen, Diskussionen und Meinungen. Diese Kurzdoku möchte eine bescheidene Ergänzung versuchen.
Das Filmmaterial besteht weitgehend aus weiten Kameraeinstellungen und O-Tönen, die ausschließlich in den Stunden nach dem Amoklauf im Umfeld des Tatorts und in der darauffolgenden Nacht in der fast menschenleeren Grazer Innenstadt entstanden sind.
Keine Agenda
Ich bin an diesem Tag und in der folgenden Nacht ohne Agenda aus dem Haus gegangen. Der Film hat dementsprechend keine Agenda; er ist ein Dokument im annähernd eigentlichen Sinn. Der Fokus lag und liegt nicht auf Tat, Täter oder Opfern, sondern darauf, wie wir als Menschen, als Gesellschaft, auf das Unfassbare reagieren. Am ehesten soll es ein Film sein über die Abstraktheit des Tragischen, darüber, wie wenig Anteil wir Menschen nehmen können, wenn wir nicht persönlich betroffen sind. Und wie wir doch als Kollektiv, in diesem Fall als Stadt, eine Zäsur erlebt haben.
Raum für Selbstwahrnehmung
Durch die vorwiegend weiten Einstellungen werden die Personen vor der Kamera – Polizist:innen, Schaulustige, Medienleute – nicht als Individuen betrachtet und ausgebeutet, wie es in einschlägigen Berichten zu diesem Ereignis der Fall war. Vielmehr bewegen sich die Menschen als Typen durch den Stadtraum; in einer Art Choreografie menschlichen Verhaltens, als Repräsentanten für uns alle.
Und weil wir an den anderen – an jenen auf der Leinwand – wie immer uns selbst sehen, lässt der Schnitt viel Raum für Reflexion. Das Publikum soll Zeit haben, die eigenen Gedanken und Empfindungen in Bezug auf das unfassbare Ereignis des 10. Juni wahrzunehmen. Bild und Ton versetzen uns an jenen Tag zurück, verzichten aber darauf, uns mit den gängigen dramaturgischen Mitteln zu „fesseln“, wie es heißt.
Nie war Graz so stumm wie in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni 2025, glaube ich. Der erste Mensch, dem ich begegne, ist eine Frau, die mir erklärt, man könne das alles nicht erfassen. Aber ich solle unbedingt zum Hauptplatz, wo die Kerzen brennen.
Die Fahne am Rathaus so schwarz wie der Himmel. Das sei kein Videospiel, das man resetten könne, sagt ein Mann. „Und jetzt machst du ein Video. Ja, mach. Mach was du willst.“ Zu Erzherzogs Füßen die Lichter. Hände, die zehn verloschene Teelichter wieder anzünden. Eine Schweigeminute.













